Zur Geschichte des Voltigierens
Die Wurzeln des Voltigierens lassen sich in den Vorübungen für das Reiten erahnen. In allen Kulturen, in denen das Pferd eine Rolle spielte, wurden Übungen durchgeführt, mit denen ein rasches und sicheres Aufsitzen und Abspringen erlernt und trainiert wurde. Es handelte sich hierbei um rein zweckgerichtete Bewegungen. Aus den verschiedenen Kulturen und Zeiten sind Übungen überliefert, mit denen das Auf- und Abspringen geübt wurde, um im Fall des Kampfes besonders schnell und sicher zu sein. So gibt es Beschreibungen über diese Übungen von den Steppenvölkern Asiens, den Indianerstämmen Nordamerikas, den Griechen, den Römer und Germanen. Auch die Ritter des Mittelalters mußten das Auf- und Abspringen auf das Pferd teilweise in voller Rüstung für den Kampf üben. Erst in der Renaissance, mit ihren weitreichenden Veränderungen im Militärwesen, der Kultur, der Wissenschaft und dem höfischen Leben, entwickelte sich aus diesen nun nutzlos gewordenen Vorübungen des Auf- und Abspringens das eigentliche Voltigieren, das ab diesem Zeitpunkt als "volte sive giri" bezeichnet wird.
Die Entwicklung des Voltigierens steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Reitkunst zur Zeit der Renaissance in Italien. Das Wort Voltigieren entstand im romanischen Sprachraum und findet seine früheste Erwähnung in den 1492 und 1509 erschienenen Büchern des Italieners Petrus Monti. Diese sind die ersten Quellen über das Voltigieren zu dieser Zeit. Er beschreibt bereits zahlreiche Übungen am stehenden Pferd, am laufenden Pferd, sogar Partnerübungen und gibt Ratschläge zum Üben und zur korrekten Ausführung der Übungen.
P. Monti wird in der zeitgenössischen Literatur als berühmter Lehrer für Fechten, Ringen und Voltigieren beschrieben. Er bezeichnet die Übungen auf dem Pferd als "volte sivi giri", "Conversiones" (Wendungen), "Rotationes" (Kreisbewegungen) oder als "volteare". Er selber gibt folgende genaue Beschreibung zur Entstehung des Begriffes:
"Tripudiare heißt in der spanischen Sprache "volteare", bei den Italienern aber "voltizare", was dasselbe ist. Und es wird mit Recht "volteare" genannt, da es von "volta" kommt. Aber weil wir in der lateinischen Sprache "girum sive voltam" haben, können wir das unpassende Wort "volteare" oder aber "volta agere" vermeiden."
Grisone, der Begründer der Reitschule in Neapel, beschreibt um 1532: "Wenn auch das Ballspielen und das Wissen zu voltigieren für den Reiter nicht unbedingt notwendig sind, hilft es dennoch sehr, nicht nur um ihm Anmut zu verleihen sondern um ihn geschickter und fähiger zu machen."
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