Zur Geschichte des Voltigierens
Der ästhetische Aspekt des Voltigierens wird zu diesem Zeitpunkt bereits besonders herausgestellt. Es kann aus den Beschreibungen geschlossen werden, dass das Voltigieren schon damals durch "Anmut" und "Leichtigkeit" Zuschauer anzog und damit besonders am Hofe große Bedeutung als Zeitvertreib besaß.
Aus "volte sive ("oder") giri" oder "volta girus" entstand das heutige Wort Voltigieren.
Der Bekanntheitsgrad des Voltigierens scheint in Deutschland erst Anfang des 17. Jahrhunderts gestiegen zu sein, wobei davon auszugehen ist, dass das Voltigieren hauptsächlich von jungen Edelleuten im Rahmen ihrer Ausbildung betrieben wurde.
Im 17. und 18. Jahrhundert stieg die Bedeutung des Voltigierens als Unterrichts- fach an den Ritterakademien. Neben Wissen und gutem Benehmen wurden junge Adelige auch im Fechten, Reiten, Tanzen und Voltigieren unterrichtet.
So schrieben Johann Georg Paschen (1661), Talander (1706), Alexander Doyle (1719) sowie Johann Andreas Schmidt (1749) mehrere Lehrbücher über das Voltigieren für diese Ritterakademien.
Erst nach dem 2. Weltkrieg entwickelt sich das Voltigieren als Kinder- und Jugendsport. Diesmal geht die weitere Entwicklung von Deutschland aus. Seit 1953 wird das Voltigieren in Deutschland wettkampfmäßig betrieben. Bereits 1963 wurde in Wiesbaden die ersten Deutschen Meisterschaften ausgetragen. Mit der ersten Europameisterschaft 1984 in Österreich und der ersten Weltmeisterschaft 1986 in der Schweiz wächst die Verbreitung und Anerkennung des Voltigierens auf internationaler Ebene.
Das Voltigieren entwickelt sich immer mehr zu einer eigenständigen Disziplin der Pferdesports und erhält seine Anerkennung durch die Deutsche- und die Internationale-Reiterliche-Vereinigung. Im Bereich des Einzel- und Pas-de-deux Voltigierens entwickelt sich das Voltigieren vom Kinder- und Jugendsport zum altersunabhängigen Sport, so dass es auch von Erwachsenen leistungsmäßig betrieben werden kann.
Betrachtet man heute die Ergebnislisten großer internationaler Voltigierturniere, so ist Deutschland unumstritten die führende Nation des internationalen Voltigiersports. Mehr als 50.000 Voltigierer betreiben diesen Sport meist in den Reitvereinen. Dabei handelt es sich zu 80% um Freizeit- und Breitensportgruppen, in denen das Voltigieren teilweise als Heranführung an den Reitsport betrieben wird. Fast die Hälfte der aktiven Voltigierer in ganz Deutschland ist in Nordrhein-Westfalen zuhause.
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